Graue Grizzlys gestalten erstes Kapitel der IJF-Special-Olympics-Partnerschaft mit
Historischer Meilenstein für den Judosport: Graue Grizzlys gestalten erstes Kapitel der IJF-Special-Olympics-Partnerschaft mit
Sarajevo: Ende September wurde in Bosnien und Herzegowina Judogeschichte geschrieben. Mit den ersten Special Olympics World Judo Open fand die erste große Veranstaltung im Rahmen der 2025 geschlossenen Partnerschaft zwischen Special Olympics International und der International Judo Federation (IJF) statt. Erstmals wurden Judoka mit geistiger Beeinträchtigung als vollwertiger Bestandteil einer IJF-Weltmeisterschaftsveranstaltung in die Kata- und Veteranen-Weltmeisterschaften integriert.
Insgesamt gingen 113 Judoka aus 18 Nationen an den Start. Sie kämpften nicht auf einer Nebenfläche, sondern mitten im Geschehen auf derselben Wettkampfbühne wie die Weltelite des Kata- und Veteranenjudo. Damit setzte Sarajevo ein starkes Zeichen für die Zukunft eines inklusiven Judosports.
Deutschland wurde durch die offizielle Delegation von Special Olympics Deutschland (SOD) vertreten. In ihrer Nationalmannschaftskleidung und mit dem Bundesadler auf der Brust repräsentierten neun Judoka ihr Land mit großem Stolz. Einen wesentlichen Teil der Mannschaft bildeten die sechs Grauen Grizzlys des TV 1848 Erlangen: Johanna Wohlfahrt, Franziska Reinsperger, Justhin Beaton, Nika Weckesser, Florian Wolfram und Pascal Posehn. Komplettiert wurde das Team durch Ben Musaeus (JC Mifune Hückeswagen) sowie Lea-Sophie Balzerowski und Elina Sanger (Eimsbütteler TV). Begleitet wurde die Delegation von Jörg Musaeus, Vanessa Harloff, Leonie-Mieke Schmidt und Delegationsleiterin Marina Müller.
Mehr als nur ein Wettkampf
Für viele Athletinnen und Athleten war bereits die Teilnahme ein besonderer Erfolg. Internationale Reisen, ein fremdes Umfeld, die Abläufe einer Weltmeisterschaft und die Begegnungen mit Delegationen aus aller Welt verlangten Mut, Selbstständigkeit und Flexibilität. Schnell entwickelte sich innerhalb des deutschen Teams ein außergewöhnlicher Zusammenhalt, der die gesamte Veranstaltung prägte.
Dieser Teamgeist blieb auch international nicht unbemerkt. Trainer, Offizielle und Delegationen anderer Nationen lobten wiederholt das respektvolle Auftreten, die Hilfsbereitschaft und die gegenseitige Unterstützung innerhalb der deutschen Mannschaft. Insbesondere die Erlanger Grauen Grizzlys wurden immer wieder als Beispiel für gelebte Werte des Judosports genannt.
Medaillen für alle deutschen Starter
Auch sportlich verlief das Wochenende äußerst erfolgreich. Im Einzelwettbewerb gewann die offizielle deutsche Delegation insgesamt neun Medaillen. Ben Musaeus, Lea-Sophie Balzerowski und Elina Sanger sicherten sich die Goldmedaille. Die sechs Erlanger Judoka Franziska Reinsperger, Johanna Wohlfahrt, Nika Wekesser, Justhin Beaton, Florian Wolfram und Pascal Posehn wurden jeweils mit Bronze ausgezeichnet. Damit erreichten alle Mitglieder der offiziellen deutschen Delegation einen Medaillenrang.
Weitere deutsche Teilnehmer, die nicht dem offiziell entsandten SOD-Team angehörten, komplettierten die starke deutsche Bilanz: Sascha Malmer (JSV Speyer) gewann Gold, Niklas Zwally (SJV Speyer), Tom-Lukas Kneisel und Solomon Schramm (SC Eintracht Mühlheim) holten Silber, während Lisa Heise (SC Eintracht Mühlheim) Bronze gewann.
Gold und Silber auf der WM-Bühne
Ein weiterer Höhepunkt folgte am zweiten Wettkampftag mit dem Kata-Wettbewerb.
Johanna Wohlfahrt und ihre Unified-Partnerin Leonie-Mieke Schmidt präsentierten eine technisch starke und harmonische Kata und wurden dafür mit der Goldmedaille belohnt. Ein besonderer Moment folgte bei der Siegerehrung: Die Medaillen wurden ihnen vom Präsidenten des Kodokan, der weltweit bedeutendsten Institution des Judosports, überreicht.
Für die nächste Medaille sorgten Franziska Reinsperger und Justhin Beaton. Obwohl das Duo erst kurz vor dem Wettkampf gemeinsam mit dem Kata-Training begonnen hatte, überzeugten beide mit einer bemerkenswerten Leistung und gewannen Silber.
Für besondere Stimmung sorgte das deutsche Kata-Nationalteam, das die Wettbewerbe verfolgte und die Special-Olympics-Judoka lautstark unterstützte. Die gemeinsame Freude über die Erfolge auf der WM-Bühne machte deutlich, wie selbstverständlich Inklusion im Judosport gelebt werden kann.
Botschafter für die Werte des Judo
Mindestens ebenso beeindruckend wie die sportlichen Ergebnisse war die Wirkung, die das deutsche Team hinterließ. Über das gesamte Wochenende hinweg wurden die Athletinnen und Athleten für ihren außergewöhnlichen Teamgeist, ihre Offenheit und ihr vorbildliches Judoverhalten gelobt.
Besonders hervorgehoben wurden der respektvolle Umgang miteinander, die gegenseitige Unterstützung und die Begeisterung, mit der die deutschen Judoka ihren Sport präsentierten. Anerkennung erhielten sie unter anderem vom Sportdirektor von Special Olympics Europe Eurasia, vom offiziellen Lifestream-Kommentator Sheldon sowie von zahlreichen internationalen Trainern, Offiziellen und Teilnehmern.
Ein Wochenende für die Geschichtsbücher
Mit insgesamt vier Gold-, einer Silber- und sechs Bronzemedaillen kehrte die offizielle deutsche Delegation sportlich äußerst erfolgreich aus Sarajevo zurück. Die sechs Grauen Grizzlys des TV 1848 Erlangen hatten daran mit einer Gold-, einer Silber- und sechs Bronzemedaillen entscheidenden Anteil.
Die eigentliche Bedeutung dieses Wochenendes lässt sich jedoch nicht in Medaillen messen. Die ersten Special Olympics World Judo Open markierten den Beginn einer neuen Ära im internationalen Judosport. Erstmals standen Judoka mit geistiger Beeinträchtigung als selbstverständlicher Teil einer IJF-Weltmeisterschaft im Mittelpunkt des Geschehens.
Für die deutsche Delegation war Sarajevo daher weit mehr als ein erfolgreiches Turnier. Die Athletinnen und Athleten durften ihr Land auf einer internationalen Bühne vertreten und wurden Teil eines historischen Moments, der den Judosport weltweit nachhaltiger, offener und inklusiver machen könnte.
Die Grauen Grizzlys kehren deshalb nicht nur als Medaillengewinner nach Erlangen zurück. Der TV 1848 Erlangen kann stolz auf seine Grauen Grizzlys sein. Sie haben Vereinsgeschichte geschrieben und den internationalen Judosport ein Stück inklusiver gemacht.
Bericht und Fotos: Marina Müller















